Konkrete Technik-Kaufempfehlungen

Das Feld der einsetzbaren Technik für Videokonferenzen und Online-Seminare ist unendlich groß. Ich habe hier ein paar Technikempfehlungen notiert, weil ich mit den nachfolgenden Produkten aktuell arbeite oder schon einmal gearbeitet habe. Diese Empfehlungen sind qualitätsorientiert - man kann andere Technik zu wesentlich günstigeren Preisen bekommen.

 

Der wesentliche Grund für eine Qualitätsentscheidung liegt darin, dass die menschliche Kommunikation überwiegend auf Bild und Ton beruht. Sobald wir z.B. mit einem fehlenden oder schlechten Bild kommunizieren, fehlen dem Gegenüber entscheidende Informationen und der Dialog wird damit automatisch schlechter. Stellen Sie sich vor, jemand besucht Sie mit einer Papiertüte, die er über sein Gesicht gezogen hat. Jetzt haben Sie schon von Anfang an keine große Lust, sich mit diesem Menschen zu unterhalten. Wir wollen einen Menschen, mit dem wir kommunizieren, in seiner gesamten Persönlichkeit "sehen". Pauschal kann man also sagen: Je besser Bild und Ton, desto besser wird das Gespräch.

 

Wer Details und einen aktuellen Preis wissen möchte: Ich habe alle Produktbilder mit Amazon verlinkt.

Mikrofon Samson Meteor Mic:

Ein Kondensatormikrofon mit Nierencharakteristik. Hier kann man sagen: Klein, aber Oho! Sehr guter Klang trotz des geringen Baumaßes und des attraktiven Preises. Mit den komplett einklappbaren Standfüßen kann man dieses kompakte Mikrofon auch gut mit auf die Reise nehmen oder in der Schreibtischschublade aufbewahren. Bei einer Aufstellung direkt auf dem Tisch funktioniert das Mikrofon schon sehr gut, bei einer Aufhängung in Sprechhöhe wird der Klang noch einmal einen Tick besser. Wer also kein Webinar-Profi werden will, aber hin und wieder in Online-Konferenzen oder Webinaren mit einem guten Klang glänzen möchte, hat mit diesem Mikrofon eine perfekte Lösung. Mit dem Schwerpunkt Preis bei einer guten Performance wäre dieses Mikrofon mein Testsieger. Preis ca. 65 Euro.

Mikrofon HyperX QuadCast:

Ein Kondensatormikrofon, das eigentlich für Streamer und Gamer konzipiert wurde und in Webinaren sehr gut funktioniert. Dieses Mikrofon ist mein Preis-/Leistungsfavorit für den direkten Anschluss an einen Computer – aus zwei Gründen: Zum einen die Option verschiedener Richtcharakteristiken (hier arbeite ich als einzelner Sprecher allerdings nur mit der Nierencharakteristik) und dann die Ein- und Ausschaltfunktion. Ist das Mikro an, leuchtet es rot. Nur mit einem zarten Fingertipp auf die Oberseite des Mikros wird es ausgeschaltet und hört auf zu leuchten. So sieht man, dass man nicht mehr "on air" ist. Da in Videokonferenzen die Muting-Funktion hilfreich ist, ist dieses kinderleichte Ein- und Ausschalten ein echter Praxisvorteil. Ein sehr ausgewogener Klang zu attraktiven Kosten. Preis ca. 80 Euro.

Rode Podmic:

Ein dynamisches Mikrofon mit Nieren-/Richtcharakteristik, das noch einen Tick voller und kerniger als das schon sehr gute HyperX Quadcast klingt. Allerdings handelt es sich hier um eine andere Technik, die nicht direkt per USB an den Computer anzuschließen ist. Daher habe ich dieses Mikrofon aktuell mit dem Videomischpult Atem Mini (siehe unten) verbunden, und erst das Mischpult gibt das Video- und Audiosignal dann per USB an den Rechner weiter. Klanglich ist dieses Mikrofon das beste in meinem Webinarstudio, allerdings kostet es etwas mehr als die bereits genannten und ist eben nur per Mischpult anzuschließen, das ebenfalls zusätzliche Kosten verursacht. Dennoch ist dieses Mikrofon auf Grund seines extrem guten Klangs mein derzeitiger Qualitätsfavorit und in aktuellem Gebrauch. Preis ca. 120 Euro.

Mikrofonarm InnoGear professionell:

Es handelt sich um einen sehr langen Arm, so dass er auch bei einem großen Tisch gut zu positionieren ist. Der Arm ist seht stabil verarbeitet und damit auch zum Tragen schwerer Mikrofone geeignet. Die Mechanik ist einen Tick schwergängig, allerdings verstelle ich den Arm selten und bin daher nicht darauf angewiesen, ständig daran herumzuziehen. Damit ist auf jeden Fall gesichert, dass sich der Arm nicht bei einem schweren Mikrofon von selbst verstellt. Mit diesem Arm bringt man das Mikrofon in den optimalen Sprechabstand von einer Handbreite, so dass die Stimme ohne Hall sehr gut übertragen wird. Preis ca. 55 Euro.

 

Elgato Facecam:

Obwohl für eine normale Webcam recht teuer, kann ich diese Kamera unbedingt empfehlen. Da für einen optimalen Ton sowieso ein separates Mikrofon vorhanden sein sollte (Sprechabstand zur Kamera ist immer zu groß und daher nicht empfehlenswert), hat diese Kamera gar kein integriertes Mikrofon und damit hat sich der Anbieter mit Erfolg auf ein gutes Bild konzentriert. Die Abbildungsschärfe über das Festbrennweitenobjektiv schlägt die meisten, wenn nicht gar alle aktuellen Webcams mit USB-Anschluss. Besser sind nur echte Studiokameras, die aber erst in Preisregionen über 700 Euro zu haben sind (z.B. die Sony, siehe unten). Die Facecam kommt auch sehr gut mit schlechten Lichtverhältnissen zurecht, die kostenlose Software der Kamera ermöglicht eine gute Einstellung bei den an einem Tag wechselnden Lichtverhältnissen. Bei der Software empfehle ich, die automatische Bildrauschunterdrückung abzuschalten, weil diese Funktion das übertragende Bild zu sehr "weichspült". Durch die Festbrennweite entfällt das oftmals lästige Hin- und Herzoomen der Webcam und das Bild ist im normalen Aktionsbereich vor der Kamera immer scharf. Preis ca. 140 Euro.

Ein paar Tipps zum Licht:

 

Wenn Ihre Webcam automatisch beleuchtet, beeinflussen Sie mit Ihrer Kleidung und dem Umfeld die Einstellung der Kamera. Tragen Sie weiße Kleidung, regelt die Kamera automatisch das Licht herunter, was dazu führen kann, dass Ihr Gesicht nicht genug belichtet wird. Dies gilt auch für helle Lichtquellen im Hintergrund wie z.B. ein Fenster, das sich direkt hinter Ihnen befindet. Umgekehrt genauso: Tragen Sie schwarz, kann es sein, dass die Kamera die Beleuchtung zu stark automatisch hochzieht und Ihr Gesicht überbelichtet wird. Falls derartige Situationen eintreten, regeln Sie die Belichtung der Kamera mit Ihrer Software manuell nach oder wählen eine passende "Webinar-Kleidung".

 

Ganz pauschal kann man sagen: Je mehr Licht sie in den Raum bringen, desto besser bildet die Kamera Ihr Gesicht ab. Hier hilft es also, alle Lichtquellen im Raum anzuschalten. Probieren Sie unterschiedliche Konstellationen einfach mal aus! Bringen Sie zusätzliches Licht nicht nur von vorne, sondern auch von der Seite. Gestreutes Licht, z.B. reflektiertes Licht von einer weißen Wand, bringt "weiches Licht" in Ihr Gesicht und vermeidet harte Schatten.  Profis erzielen dieses gestreute Licht mit sog. "Softboxen".

Sony ZV1 Vlogging Kamera:

Wer ein passables Bild von einer Webcam haben möchte, ist mit der Elgato gut bedient. Wer ein Spitzenbild HD/4K haben möchte, muss tief in die Tasche greifen. Der Unterschied zwischen den beiden Kameras: Welten! Die Sony ist meine aktuelle Webcam und macht mir auf Grund ihres superscharfen Bildes, eines perfekten Zooms (mit echten Kameralinsen) und einer hohen Lichtempfindlichkeit einen Riesenspaß. Ein Zusatztipp: Für den Dauereinsatz benötigt die Kamera noch einen Zusatzrahmen, in den die Kamera eingespannt wird. Das macht es erst möglich, den Batteriedeckel permanent offen zu lassen und die Kamera mittels eines Dummy-Akkus plus Netzgerät mit Dauerstrom zu versorgen. Der Preis für höchste Qualität ca. 750 Euro plus die Kosten für die Kamerahalterung und die Stromversorgung.

Blackmagic Atemi Mini Pro:

Mit diesem Videomischpult kann man bis zu 4 Video- und Audiosignale an seinen PC schicken sowie Aufzeichnungen und Livestreams durchführen. Hierzu benötigt man jeweils ein Full HD HDMI-Signal wie z.B. die Kamera Sony ZV1, das an das Mischpult angeschlossen wird. Dieses Signal wird dann vom Atem Mini per USB an den Computer weitergeleitet, der das Atem als Webcam erkennt. Somit kann man kinderleicht mit einem Knopfdruck von einer Kamera auf eine andere oder auch auf einen zusätzlichen Rechner umschalten, so dass eine Powerpoint-Präsentation übertragen werden und man dennoch gleichzeitig auf einem anderen Bildschirm alle Teilnehmer eines Webinars sehen kann. Für ein professionelles Webinarstudio ein absolutes Muss, Preis ca. 380 Euro.

iPad (10th Generation)

Ebenfalls am Atem Mini Pro: Ein iPad der neueren Generation - dieses nutze ich zur Übertragung von Zeichnungen und Notizen, ebenfalls kann ich mal schnell etwas aus dem Internet z.B. von Youtube zeigen, ohne in die Bildschirmübertragung bei Zoom wechseln zu müssen. Einfach auf die "iPad-Kamera" umschalten, und schon können meine Teilnehmer das sehen, was ich gerade dort aufrufe. Es ist sozusagen ein externes und sehr interaktives Flipchart. Rein technisch funktioniert das, in dem ich an den USB-C-Anschluss des iPad einen Adapter (Beschreibung unten) anschließe, der das HDMI-Signal des iPad an das Videomischpult überträgt. Preis ca. 550 Euro.

Logitech Crayon

Mit diesem digitalen Stift male ich fröhlich auf dem iPad herum und nutze dieses als Flipchart. Das sollte man - wenn man nicht über eine Schönschreibschrift verfügt - nicht andauernd machen, aber um kurz etwas zu skizzieren, ist es eine wertvolle Hilfe. Der Stift verhält sich sehr natürlich und liefert bei unterschiedlicher Neigung auch einen unterschiedlichen Pinselstrich, was ein schönes Schreibbild ergibt. Im Apple-Store kann man natürlich auch den Apple-eigenen Stift erwerben. Der Crayon ist etwas dicker und konisch geformt, der Apple-Stift ist rund und hat die Dicke eines Bleistiftes. Somit Geschmackssache, welcher einem besser in der Hand liegt - einfach mal ausprobieren. Preis ca. 50 Euro.

Satechi USB-C Multiport Pro Adapter für das iPad

Mit diesem Adapter übertrage ich das Bild auf dem iPad als HDMI-Signal zum Videomischpult. Der Adapter hat einen separaten Port für einen weiteren USB-C-Anschluss, so dass ich das iPad damit permanent am Strom halten kann und die Batterie nicht leerläuft. Ebenfalls verfügt der Adapter über Anschlüsse für zwei USB-A 3.0-Anschlüsse mit bis zu 5 Gbit/s, Micro-/SD-Kartenleser. Preis ca. 75 Euro.

Bildquellen und Verlinkung: https://www.amazon.de

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